Die 24 Stunden von Spa-Francorchamps

Spa-Francorchamps Am vergangenen Wochenende war es endlich soweit. Der Saisonauftakt der Endurance Multileague (E-MLT) 2014 mit dem 24h Rennen in Spa-Francorchamps stand ins Haus. Das gesamte Team hatte schon lange auf dieses Event hin gefiebert. Unzählige Testrunden gedreht, Reifen en Mass verschlissen, mit Sponsoren verhandelt, ein Design entworfen und schlussendlich eine Renntaktik ausgetüftelt.Beim offiziellen Qualifying am Freitagabend belegte man den 29. Gesamtrang. Bedingt durch einige Strafen gegen andere Teams, rutschte man noch ein paar Plätze weiter nach vorn.Aber im Grunde genommen war die Startplatzierung nebensächlich, denn ein 24h Rennen wird nicht in der ersten Runde entschieden.

Für das Rennen wurde eine simple Taktik ausgegeben: Möglichst viele Runden abspulen, sich aus allen Rangeleien auf der Strecken heraushalten um Schäden am Fahrzeug zu vermeiden, damit möglichst wenig die Escape-Taste verwendet werden muss, die immer eine 10-minütige Boxenstrafe zur Folge hat. Getreu dem Motto: Lieber mal die eine oder andere Sekunde liegen lassen und etwas langsamer als die angepeilte Rundenzeit unterwegs zu sein, anstatt zehn endlos lange Minuten in der Box zu verweilen, denn damit handelt man sich schnell vier Runden Rückstand ein.Um 15:15 Uhr, nach einer Einführungsrunde, wurde das Rennen freigegeben. Ingo Schmidt, unser Startfahrer, war voll konzentriert bei der Sache und dies war auch erforderlich, denn schon in der ersten Runde kreiselten einige Autos vor ihm über die Piste. Doch der Renngott schlug erbarmungslos zu. So sehr Ingo auch darauf bedacht war den plötzlich vor ihm auftauchenden Hindernissen aus dem Weg zu gehen, das was hinter ihm geschah konnte er nicht beeinflussen. So kam es, dass er beim Anbremsen zu Turn 13 plötzlich von hinten touchiert wurde. Der McLaren entwickelte ein Eigenleben, brach nach links aus und knallte vorne links in die Reifenstapel, wobei der Einschlagwinkel so unglücklich war, das das vordere linke Rad komplett abriss. Die oberste Priorität, die Escape-Taste unter allen Umständen zu vermeiden, war damit schon in der allerersten Runde hinfällig. Ingo konnte das Auto nicht mehr von der Stelle bewegen und musste zwangsläufig Escape drücken. Damit hatte man zu einem sehr frühen Zeitpunkt bereits vier Runden Rückstand, der bei der enormen Leistungsdichte der Piloten nur sehr schwer wieder wettzumachen war.Es sollte zu diesem frühen Zeitpunkt des Rennens nicht der einzige Aufenthalt in der Box bleiben. Nachdem die fremdverschuldete Zeitstrafe abgesessen und Ingo endlich wieder auf der Strecke war, pushte er mit ordentlich Wut im Bauch um die eine oder andere Sekunde wieder reinzuholen. Es kam wie es kommen musste, nach einigen Runden übertrieb er es in Les Combes. Das Auto rutsche nach links von der Strecke und abermals gab es Kontakt mit den Reifenstapeln. Dabei wurde der Frontsplitter komplett abgerissen und damit die Aerodynamik so stark beschädigt, dass an ein Weiterfahren nicht zu denken war. Ingo gelang es dieses Mal jedoch aus eigener Kraft in langsamer Fahrt die Box zu erreichen, tankte voll, holte sich neue Reifen, einen neuen Splitter und weiter ging die Hatz.Es sollte leider nicht der letzte unplanmäßige Boxenstopp für Ingo gewesen sein. Im Verlauf der weiteren Runden kam er irgendwann mit knapp 130 km/h aus Turn 11 heraus und erstarrte fast vor Schreck. Gerade hatten sich zwei Autos von der Strecke katapultiert . Eines davon wurde nach einem Einschlag in der rechten Leitplanke wieder zurück auf die Piste geschleudert, genau vor die Frontschürze unseres McLaren. Eine Kollision war unvermeidbar und erneut war es der Frontsplitter der sich verabschiedete. Dies bedeutete wiederum vorsichtig in die Box fahren, Schäden reparieren lassen, Sprit und Reifen erneuern und weiter. Dies war dann für Ingo zunächst der letzte unfreiwillige Stopp in seinem Stint. Nach gut 2 ½ Stunden übergab er das Steuer an Heiko Kostin.

Heiko hatte mehr Glück bei seinen zwei Stints, zumindest bis kurz vor dem planmäßigen Wechsel. Wie es genau dazu kam, ob er sich verschaltet hatte oder es sich um einen technischen Defekt handelte konnte Heiko im Nachhinein nicht mehr sagen.Jedenfalls schlugen plötzlich dicke Flammen aus dem Heck unseres britischen Kollegen – kapitaler Motorschaden! Der zweite Escape war damit nicht zu vermeiden. Das Boxenteam war sich in dem Moment nicht sicher , ob es in dieser Situation möglich ist auch direkt einen Fahrerwechsel durchzuführen ohne nochmals eine Strafzeit zu kassieren, daher wurde dieses Vorhaben schnell verworfen. Man entschied sich daher Heiko nochmals für eine Runde auf die Strecke zu schicken und erst anschließend den Fahrerwechsel auf Dietmar Blaskowski zu vollziehen. Heiko bekam die Anweisung beim nächsten Boxenstopp die Einstellungen so vorzunehmen, dass kein Reifenwechsel durchgeführt wird und auch nicht getankt wird. Im Eifer des Gefechts kam es hier zu einem folgenschweren Fehler: Heiko stellte versehentlich 0 Liter Benzin für den nächsten Boxenstopp ein. Das Ergebnis war, der Fahrerwechsel ging innerhalb von 2 Sekunden über die Bühne. Leider war unsere Pitcrew aber auch so schnell, dass sie es schafften in diesen 2 Sekunden 125 Liter Bezin abzulassen und damit den Tank vollständig zu entleeren. Dietmar konnte nicht losfahren, denn der McLaren sprang Mangels Benzin erst gar nicht an. Dem Team blieb nichts weiter übrig als erneut Escape zu drücken. Dies war bereits der dritte Escape innerhalb von 4h. Alles in allem hatte man sich so schon gute 16 Runden Rückstand eingehandelt.

Zumindest Dietmar blieb von weiteren Unfällen verschont, allerdings gab es während seines Stints, den ersten von insgesamt 5 Rennabbrüchen. So ging es dann in die Nacht. Heiko Kostin, gesundheitlich angeschlagen, musste leider kurzfristig seine geplanten Einsätze in der Nacht absagen. Somit hieß es für Ingo und Dietmar fahren was das Zeug hält und Boden gut machen. Man arbeitete sich in der Nacht, stellenweise von Platz 33 bis auf Gesamtrang 29 vor. Bedingt durch reguläre Stopps fiel man aber wieder bis auf Rang 31 ab.

Die letzten 4h Rennstunden brachen an und man hatte sich geeinigt, dass jeder noch einen Stint fährt. Ingo übernahm den ersten Part und wurde dann von Heiko abgelöst. Dieser saß gerade mal eine gute halbe Stunde hinter dem Lenkrad als letzmalig des Rennen von der Rennleitung abgebrochen werden musste. Dies nutze das Team und vollzog während des Abbruchs gleich den letzten Fahrerwechsel. Zum Schluss gaste Dietmar nochmal richtig an, denn man befand sich in derselben Runde wie die direkten Konkurrenten. Man wollte unbedingt noch ein paar Plätze gutmachen, weg von Platz 30 . Bereits im Bereich Pouhon in der ersten Runde nach dem Restart konnte Dietmar sich diesen Rang sichern. Er versuchte Meter um Meter gut zu machen, was ihm auch gelang. Nach gut 30 Minuten teilte Ingo ihm über Funk mit, dass er das Rennen in Ruhe nach Hause fahren kann, denn mittlerweile hatte man 5 Runden Vorsprung auf Gesamtrang 30, bei gleichzeitigem Rückstand von 3 Runden auf Platz 28. Dietmars Antwort war eindeutig. „Erst wenn abgewunken ist, geht nichts mehr. Solange gefahren wird kann immer was passieren und dann ist man froh über jeder Sekunde.“ Natürlich musste er selbst auch aufpassen keinen Fehler zu machen.Dietmar sollte Recht behalten. Kurz vor Schluss, musste das vor uns liegende Team Escape drücken und eine Strafe von über 6 Minuten absitzen. Dies reichte aus, um in der vorletzten Runde noch einen Platz nach vorne zu fahren.